Baustein 4
Gebärden
Gebärden bieten Kindern einen handlungsorientierten Zugang zum Lesen- und Schreibenlernen, indem sie Laut, Buchstabe und Bewegung miteinander verknüpfen. Besonders bei ähnlich klingenden Buchstaben wie m/n oder b/d schaffen Gebärden zusätzliche visuelle und motorische Klarheit, sodass das Gehirn die Information sicherer abspeichert und leichter wieder abrufen kann. Welche Regeln dabei zu beachten sind und warum Gebärden zusätzlich Motivation und Freude am Lernen fördern, erfährst du im Folgenden.

Gebärden – der handlungsorientierte Zugang zum Lesen- und Schreibenlernen
Vielen Kindern fällt es schwer, sich Buchstaben und die zugehörigen Laute zu merken. Gebärden bilden eine Brücke zwischen Buchstabe und Laut.
Beim Schreiben verwechseln viele Kinder Buchstaben, die ähnlich klingen (Beispiel: m / n, b / d). Gebärden schaffen hier Klarheit: So haben Kinder beim Erlernen der Schrift nicht nur eine akustische, sondern auch eine visuelle und motorische Ebene der Unterscheidung. Das Gehirn verknüpft Laut, Buchstabe und Gebärde – das sorgt für ein tieferes Abspeichern und einen sicheren Abruf.
Wozu brauche ich Gebärden?
- Laute eindeutig erkennen und unterscheiden: Die Gebärden helfen den Kindern, Laute eindeutig zu erkennen und zu unterscheiden (Beispiel: „ma“ und „na“).
- Übergang vom gehörten Laut zum geschriebenen Zeichen: Gebärden unterstützen den Übergang vom gehörten Laut zum geschriebenen Zeichen.
- Motivation und Freude steigern: Gebärden motivieren, weil das Lernen wie eine „Geheimsprache“ erlebt wird.
Kriterien für die Auswahl der Gebärden
Wichtig: Bei den Gebärden im ABC der Tiere handelt es sich nicht um eine eigenständige Gebärdensprache
mit Zeichen für alle Laute und auch nicht um die offiziellen Gebärden der Deutschen
Gebärdensprache für gehörlose Menschen. Die Lautgebärden sind ausschließlich ein pädagogisches
Hilfsmittel, das speziell für das Lesen- und beim Schreibenlernen im Rahmen der Silbenmethode entwickelt
wurde.
Berücksichtigt wurden dabei folgende Kriterien:
- Buchstabenform (Beispiel: „m“ sichtbar machen über die drei Füßchen)
- Artikulationsort (Beispiel: durch Mundbewegung begleiten)
Worauf muss ich achten?
Es gibt viele Gebärdensprachen, aber die Auswahl für die Gebärden in ABC der Tiere folgt Kriterien, die genau auf den Lernprozess abgestimmt sind. Die Ausformung der Gebärden folgt strengen Kriterien:
Regel 1
Gebärdet wird immer die ganze Silbe – das sind entweder die Klinger (ein Klinger kann eine einzelne Silbe sein) oder die Kombination aus Starter-Klinger(-Stopper). Wichtig ist, dass keine einzelnen, isolierten Starter bzw. Stopper gebärdet werden.
Regel 2
Beim Gebärden bleibt der Starter zunächst stumm, erst mit dem Klinger wird die ganze Silbe ausgesprochen. Merksatz: „Lass beide gemeinsam heraus.“
Beispiel: Lehrkraft gebärdet „me“ → drei Finger auf die geschlossenen Lippen – stumm, Daumen und Zeigefinger werden an die Mundwinkel angelegt – jetzt wird die Silbe „me“ zusammenhängend gesprochen.
Falsch wäre: Drei Finger auf die geschlossenen Lippen – „m“ wird gesprochen, Daumen und Zeigefinger
werden an die Mundwinkel angelegt – „e“ wird gesprochen.
Regel 3
Übungsphasen müssen regelmäßig wiederholt werden, damit die Gebärden automatisiert werden.
Lautgebärden – Videos
Die Reihenfolge der Videos folgt der Progression der Silbenfibel.
Gebärdenbild

mu / u

mu / u

mi / i

mo / o

ma / a

me / e

aeiou

la
/ la, le li, lo lu

to
/ ta, te, ti, to, tu

ri
/ ra, re, ri, ro, ru

su
/ sa, se, si, so, su

wi
/ wa, we, wi, wo , wu

du / del

na / len / sen

sch
/ scha, sche, sche, schi, scho, schu

ü

ei

kin
/ ka, ke, ke, ki, ko, ku

ba
/ ba, be, bi, bo, bu

ä

fi
/ fa, fe, fi, fo, fu

au

ga
/ ga, ge, gi, go, gu

ö

pan
/ pa, pe, pi, po, pu

ha
/ ha, he, hi, ho, hu

ch
(wie Milch oder Buch)

ä

ze
/ za, ze, zi, zo, zu

ung
/ ang, eng, ing, ong, ung

ja
/ ja, je, ji, jo, ju

eu

vo
/ va, ve, vi, vo, vu

äu

qua
/ qua, que, qui, quo, quu

y
(Yak, Pramiede, Pony)

xa
/ xa, xe, xi, xo, xu
Übersicht der Lautgebärden
(sortiert nach dem Erscheinen in der Silbenfibel)

a
Bilde mit beiden Händen ein a.
Deine rechte Hand ist der Balken.
Merke: Die Schreibrichtung geht von links nach rechts. Das a hat den Balken rechts.
(Lehrkraft spiegelbildlich)

au
Umschließe mit einer Hand den Daumen der anderen Hand.
Wie bei: „Au, mein Daumen!“

b
Die Finger und der Daumen einer Hand berühren sich. Halte sie vor deine geschlossenen Lippen. Bewege sie beim Sprechen leicht vom Mund weg.

ch
Krümme deine Hände zu Katzenkrallen. Wie bei einer fauchenden Katze.

d
Tippe deinen Zeigefinger leicht in den Handteller.
So wie deine Zunge leicht gegen den Gaumen drückt.

e
Lege Daumen und Zeigefinger an deine Mundwinkel.
Die Spanne greift den Querstrich des e ab.

ei
Führe eine Streichelbewegung an der Wange aus.
Wie beim Streicheln eines Babys : „ei – ei!“

eu
Halte deine Hände wie ein Fernglas vor den Augen.
So schaut die Eule.

f
Drücke den Zeigefinger gegen die Unterlippe.
Das f wird über den Finger gepustet.

g
Lege Daumen und Zeigefinger werden geschlossen an den Kehlkopf.
Am Kehlkopf entsteht das g. Deine Hand bildet den „Kopf“ des g.

h
Hauche deine Innere Handflächen.
h wie Hauch.

i
Führe einen Zeigefinger unter das Kinn – Tippe mit dem anderen Zeigefinger auf den Kopf.
Merke: Das i hat ein Pünktchen.

j
Strecke den Arm über den Kopf und winkle die Hand an.
Wie bei: großer Junge.

k
Führe deine Faust mit abgewinkeltem Zeigefinger vom Kehlkopf weg wie beim Anklopfen.

l
Krümme die Handfläche und die Finger nach oben wie die Zungenstellung.

m
Lege 3 Finger auf die geschlossenen Lippen.
Wie die drei „Beinchen“ von m.

n
Denke an das Nashorn. Lege 2 Finger an die Nase.
Wie die zwei „Beinchen“ von n.

ng
Drücke Daumen und Zeigefinger gegen die Nasenflügel.
So entsteht der Nasallaut.

o
Bilde mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis.
Das o ist rund.
Wie der Mond.

p
Lege Daumen und Zeigefinger geschlossen an die Lippen.
Öffne dann die Hand explosiv nach vorne.
Das p platzt auf!

qu
Bilde mit beiden Händen mit gekrümmten Fingern das Quarkmaul mit den Schallblasen.
So quaken Frösche.

r
Kreise deine Zeigefinger vor der Kehle umeinander.
Da rrrrrollt es.

s
Bewege den Zeigefinger s-förmig vom Mund fort.
Wie eine züngelnde Schlange oder eine S-Kurve.

t
Halte den Handrücken gegen den Mund, so spürst du den Luftstoß.
Halte den Unterarm dabei waagerecht, wie den Querstrich bei t.

sch
Drücke beide Fäuste auf die Wangen.
Die Luft wird kräftig herausgestoßen.

u
Bilde mit beiden Händen den u-Schwung nach.
Merke: Das u ist oben offen.

v
Bilde mit den Fingen ein v vor dem Mund.
V wie Vogel.

w
Lege die flache Hand an die Unterlippe.
Der Wind bläst über die Kante.

x
Kreuze die Zeigefinger übereinander wie ein Hexenkreuz.

y
Bilde mit beiden Unterarmen und den Händen das y nach.

z
Zeichne mit dem Zeigefinger eine Zickzack-Bewegung wie zuckende Blitze.

